Quellensteuer: Tarifcode & Berechnung
Quellensteuer verstehen: bestimme deinen Tarifcode (A, B, C, H) aus Zivilstand, Kindern und Konfession – plus wer zahlt und wie der Abzug nach Kanton berechnet wird.
Was ist die Quellensteuer?
Die Quellensteuer ist eine Steuer, die direkt vom Lohn abgezogen wird – noch bevor er ausbezahlt wird. Sie betrifft vor allem auslaendische Arbeitnehmende ohne Niederlassungsbewilligung (Ausweis C), Grenzgaengerinnen und Grenzgaenger sowie Personen mit Wohnsitz im Ausland. Der Arbeitgeber zieht den Betrag ab, rechnet ihn mit dem Kanton ab und ueberweist ihn der kantonalen Steuerverwaltung. Fuer dich ist die Lohnsteuer damit in einem Schritt erledigt – eine separate Steuererklaerung ist meist erst ab einem hoeheren Einkommen noetig.
Die Quellensteuer ersetzt die ordentliche Einkommenssteuer und enthaelt bereits Bund, Kanton und Gemeinde. Sie ist eine Steuer und damit etwas anderes als die Sozialabzuege (AHV/IV/EO, ALV, Pensionskasse), die zusaetzlich vom Bruttolohn abgehen.
Die Tarifcodes A, B, C und H
Welcher Tarif gilt, haengt von deiner Lebenssituation ab. Der Bestimmer oben zeigt dir deinen Code:
| Code | Situation |
|---|---|
| A | alleinstehend ohne Kinder (ledig, geschieden, verwitwet, getrennt) |
| B | verheiratet, ein Erwerbseinkommen (Alleinverdiener-Ehepaar) |
| C | verheiratet, beide erwerbstaetig (Doppelverdiener) |
| H | Einelternfamilie (alleinerziehend mit Kind im Haushalt) |
Die Ziffer nach dem Buchstaben steht fuer die Anzahl Kinder (z. B. B2), das Y/N am Ende fuer mit/ohne Kirchensteuer (z. B. B2Y = mit Kirchensteuer, A0N = ohne).
Alle Tarifcodes im Ueberblick – auch G, E und die Grenzgaenger-Tarife
Neben den vier Haupttarifen gibt es Spezialcodes. Wichtig sind sie vor allem fuer Ersatzeinkuenfte (z. B. Taggelder) und fuer deutsche Grenzgaenger mit taeglicher Rueckkehr, die einen pauschalen Tarif von 4,5 % haben:
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| E | vereinfachtes Abrechnungsverfahren (z. B. ueber eine Ausgleichskasse) |
| G | Ersatzeinkuenfte, die nicht ueber den Arbeitgeber laufen (IV-, Unfall-, Arbeitslosentaggelder) |
| L / P | deutsche Grenzgaenger – entsprechen A bzw. H, mit Pauschale 4,5 % |
| M / N | deutsche Grenzgaenger – entsprechen B bzw. C, mit Pauschale 4,5 % |
| Q | deutsche Grenzgaenger – entspricht G (Ersatzeinkuenfte), mit Pauschale 4,5 % |
Der 4,5-%-Pauschaltarif fuer deutsche Grenzgaenger ergibt sich aus dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) Schweiz–Deutschland. Voraussetzung ist die taegliche Rueckkehr an den deutschen Wohnsitz. Wer aus beruflichen Gruenden an mehr als 60 Tagen pro Jahr nicht zurueckkehrt (Nichtrueckkehrtage), verliert den Grenzgaengerstatus und wird fuer die betroffenen Tage voll in der Schweiz besteuert.
So entsteht der Frankenbetrag: der satzbestimmende Lohn
Der konkrete Abzug ergibt sich aus deinem Quellensteuer-Lohn und der Tariftabelle deines Kantons fuer deinen Tarifcode. Den Steuersatz bestimmt aber nicht der Auszahlungsbetrag allein, sondern der satzbestimmende Lohn – er rechnet deinen Lohn auf ein volles Pensum bzw. Jahr hoch, damit der progressive Tarif fair ansetzt. Zwei Modelle sind verbreitet:
| Modell | Wie der Satz bestimmt wird | Kantone |
|---|---|---|
| Monatsmodell | Satz pro Monat (Basis 30 Tage); jeder Monat wird einzeln gerechnet | die meisten Kantone (z. B. ZH, BE, ZG, SG, BS, LU) |
| Jahresmodell | Satz nach hochgerechnetem Jahreseinkommen (Basis 360 Tage) | Freiburg, Genf, Tessin, Waadt, Wallis |
Teilzeit und mehrere Arbeitgeber: Arbeitest du Teilzeit oder bei mehreren Stellen, wird fuer die Satzbestimmung in der Regel auf ein hoeheres Gesamtpensum hochgerechnet – sonst waere dein Satz zu tief. 13. Monatslohn: Im Monatsmodell wird der Anteil dem Auszahlungsmonat zugeschlagen (bei jaehrlicher Auszahlung 100 % eines 13., bei halbjaehrlicher 50 %, bei vierteljaehrlicher 25 %); im Jahresmodell darf ein vertraglich zugesicherter 13. auf zwoelf Monate verteilt werden. Den 13. Monatslohn kannst du separat berechnen.
Rechenbeispiel: Quellensteuer im Kanton Zuerich
Eine alleinstehende Person ohne Kinder, ohne Kirchensteuer, arbeitet in Zuerich (Tarifcode A0N, Monatsmodell):
| Position | Wert |
|---|---|
| Bruttolohn pro Monat | CHF 6’000 |
| Tarifcode | A0N (ledig, 0 Kinder, ohne Kirchensteuer) |
| Quellensteuersatz (Beispiel) | ca. 9,0 % |
| Quellensteuer pro Monat | CHF 540 |
| Lohn nach Quellensteuer | CHF 5’460 |
Der Satz steigt mit dem Einkommen (Progression): grob ca. 6,5 % bei CHF 4’000, ca. 9 % bei CHF 6’000, ca. 10,5 % bei CHF 8’000 und ca. 11,5 % bei CHF 10’000 pro Monat (Zuerich, Tarif A0, Richtwerte). Vom verbleibenden Betrag gehen zusaetzlich die Sozialabzuege ab – netto bleibt also weniger. Eine genaue Aufschluesselung liefert der Brutto-Netto-Rechner.
Kirchensteuer: Y oder N?
Der letzte Buchstabe des Codes steuert die Kirchensteuer. Y bedeutet, dass du einer kirchensteuerpflichtigen Konfession (roemisch-katholisch, christkatholisch oder evangelisch-reformiert) angehoerst und der Tarif die Kirchensteuer enthaelt. N bedeutet ohne Kirchensteuer – der Tarif ist dann etwas tiefer. Die Konfession gibst du dem Arbeitgeber bei Stellenantritt an.
Wann endet die Quellensteuerpflicht?
Du wechselst ins ordentliche Verfahren (Steuererklaerung statt Quellensteuer), sobald
- du die Niederlassungsbewilligung C erhaeltst,
- du eine Person mit Schweizer Buergerrecht oder Ausweis C heiratest, oder
- dein Bruttojahreslohn CHF 120’000 uebersteigt – dann wirst du obligatorisch nachtraeglich ordentlich veranlagt (NOV).
Zu viel bezahlt? NOV statt klassischer Tarifkorrektur
Ab einem Bruttojahreslohn von CHF 120’000 wirst du zwingend nachtraeglich ordentlich veranlagt (NOV) – du fuellst dann eine Steuererklaerung aus, die abgezogene Quellensteuer gilt als Vorauszahlung. Darunter kannst du bis Ende Maerz des Folgejahres freiwillig die NOV beantragen, um Abzuege wie Saeule 3a, Pensionskassen-Einkauf, Weiterbildung, Fahr- oder Verpflegungskosten geltend zu machen.
Wichtig: Die klassische Tarifkorrektur gibt es seit der Quellensteuerreform 2021 nicht mehr – Abzuege laufen heute ueber die freiwillige oder obligatorische NOV. Der NOV-Antrag ist verbindlich und gilt auch fuer die Folgejahre.
Grenzgaenger und Quasi-Ansaessigkeit (90-%-Regel)
Wer in der Schweiz quellenbesteuert wird, aber im Ausland wohnt (z. B. Grenzgaenger, Wochenaufenthalter), kann Abzuege nur dann geltend machen, wenn er als Quasi-Ansaessiger gilt: Dafuer muessen mindestens 90 % der weltweiten (Familien-)Einkuenfte in der Schweiz steuerbar sein. Ist das erfuellt, laesst sich – wie bei in der Schweiz Wohnhaften – bis Ende Maerz des Folgejahres eine NOV beantragen. Die Rechtsgrundlage steht in Art. 91 ff. DBG.
Hinweis: Dieser Bestimmer ermittelt deinen Tarifcode und erklaert das System. Den verbindlichen Steuerbetrag liefern die offiziellen Kantons-/ESTV-Tarife bzw. dein Arbeitgeber ueber die Quellensteuerabrechnung.
Alle Angaben ohne Gewaehr; dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuerberatung.
Häufige Fragen
Warum zahlen deutsche Grenzgaenger nur 4,5 % Quellensteuer?
Deutsche Grenzgaenger mit taeglicher Rueckkehr an den deutschen Wohnsitz zahlen dank dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) Schweiz-Deutschland einen pauschalen Quellensteuersatz von 4,5 % auf den Bruttolohn (Tarifcodes L, M, N, P, Q). Die restliche Steuer wird in Deutschland erhoben. Wer an mehr als 60 Tagen pro Jahr aus beruflichen Gruenden nicht zurueckkehrt, verliert den Grenzgaengerstatus.
Was ist der satzbestimmende Lohn?
Der satzbestimmende Lohn ist der Lohn, der den Steuersatz festlegt - nicht zwingend der ausbezahlte Betrag. Bei Teilzeit, Stundenlohn oder mehreren Arbeitgebern wird auf ein volles Pensum bzw. Jahr hochgerechnet, damit der progressive Tarif richtig ansetzt. Im Monatsmodell gilt die Basis 30 Tage, im Jahresmodell 360 Tage.
Was ist der Unterschied zwischen Monatsmodell und Jahresmodell?
Im Monatsmodell wird die Quellensteuer fuer jeden Monat einzeln nach dem Monatslohn bestimmt - das nutzen die meisten Kantone (z. B. Zuerich, Bern, Zug). Im Jahresmodell wird der Satz nach dem hochgerechneten Jahreseinkommen ermittelt; dieses Modell gilt in Freiburg, Genf, Tessin, Waadt und Wallis. Beim 13. Monatslohn und bei Lohnschwankungen fuehrt das zu unterschiedlichen Abzuegen.
Wie wirkt sich die Kirchensteuer auf die Quellensteuer aus?
Der letzte Buchstabe des Tarifcodes zeigt die Kirchensteuer: Y bedeutet mit Kirchensteuer (du gehoerst einer kirchensteuerpflichtigen Konfession an - roemisch-katholisch, christkatholisch oder evangelisch-reformiert), N bedeutet ohne. Mit N ist der Quellensteuersatz etwas tiefer. Die Konfession meldest du dem Arbeitgeber bei Stellenantritt.
Wann endet die Quellensteuerpflicht?
Die Quellensteuer entfaellt, sobald du die Niederlassungsbewilligung C erhaeltst oder eine Person mit Schweizer Buergerrecht bzw. Ausweis C heiratest. Uebersteigt dein Bruttojahreslohn CHF 120'000, bleibt der Lohnabzug zwar bestehen, du wirst aber zusaetzlich obligatorisch nachtraeglich ordentlich veranlagt (Steuererklaerung).
Koennen Grenzgaenger Abzuege wie die Saeule 3a geltend machen?
Ja, aber nur als sogenannte Quasi-Ansaessige: Dafuer muessen mindestens 90 % der weltweiten Familieneinkuenfte in der Schweiz steuerbar sein. Ist diese Schwelle erreicht, laesst sich bis Ende Maerz des Folgejahres eine nachtraegliche ordentliche Veranlagung (NOV) beantragen und damit z. B. die Saeule 3a oder ein Pensionskassen-Einkauf abziehen.
Wer muss Quellensteuer zahlen?
Quellensteuerpflichtig sind in der Regel ausländische Arbeitnehmende ohne Niederlassungsbewilligung (Ausweis C), Grenzgängerinnen und Grenzgänger sowie Personen mit Wohnsitz im Ausland, die in der Schweiz Erwerbseinkommen erzielen. Die Steuer wird direkt vom Lohn abgezogen.
Was bedeuten die Tarifcodes A, B, C und H?
A = alleinstehend ohne Kinder, B = verheiratet mit einem Erwerbseinkommen, C = verheiratet mit zwei Erwerbseinkommen (Doppelverdiener), H = Einelternfamilie (alleinerziehend mit Kind im Haushalt). Die Ziffer steht für die Anzahl Kinder, der Buchstabe Y/N für mit/ohne Kirchensteuer.
Wie wird die Quellensteuer berechnet?
Der Abzug ergibt sich aus deinem Bruttolohn und dem Tarif deines Wohn- bzw. Arbeitskantons für deinen Tarifcode. Jeder Kanton hat eigene, von der ESTV veröffentlichte Tariftabellen. Den exakten Betrag liefert der offizielle Rechner deines Kantons.
Was ist die nachträgliche ordentliche Veranlagung (NOV)?
Ab einem Bruttojahreslohn von CHF 120’000 wird zwingend nachträglich ordentlich veranlagt – du füllst dann wie alle eine Steuererklärung aus, die Quellensteuer gilt als Vorauszahlung. Unter dieser Grenze ist die NOV auf Antrag möglich.
Kann ich zu viel bezahlte Quellensteuer zurückfordern?
Ja. Bis Ende März des Folgejahres kannst du eine Tarifkorrektur oder eine nachträgliche ordentliche Veranlagung beantragen – etwa um Abzüge für Säule 3a, Weiterbildung oder auswärtige Verpflegung geltend zu machen.